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Alexandra Netzold am Cello und Brigitte Becker am historischen Bechstein-Flügel


(Foto: privat)

(bro) (hqu) Nachdem am 24. November kurz vor 19 Uhr noch einige zusätzliche Stühle in den Kapitelsaal des Hirschhorner Karmelitenklosters geschoben worden waren, begrüßte Hartmut Quiring das Publikum im Namen des Fördervereins Klosterkirche Hirschhorn und erläuterte kurz die Entstehung der Karmelabende aufgrund einer Vision des im vergangenen Sommer verstorbenen Dr. Ulrich Spiegelberg, einen Flügel hier in diesem schönen Saal zu platzieren, um an einigen winterlichen Samstagabenden Menschen aus Hirschhorn und Umgebung in den warm geheizten Saal einzuladen, damit sie dort die einzigartige Kombination aus künstlerischer Musikdarbietung, Weitergabe von lokalem kunsthistorischem Wissen sowie karmelitische Spiritualität erleben und in sich aufnehmen können, gefolgt von einem Glas Sekt und kleinen Snacks in gemütlicher Plauderrunde.

„Vernachlässigt man eine Differenz von zwölf Tagen, dann war es heute vor einem Jahr“, begann Quiring, „als wir den Flügel hier gemeinsam einweihten“ und beteuerte, dass nun alle im Verein diese neue Tradition der Karmel-Abende im Sinn „Ulis“ nach ihren besten Möglichkeiten weiterführen wollen.

Und dann betrat Alexandra Netzold die Bühne, die schon mehrfach die sommerlichen „AusKlang“-Konzerte solistisch bestritten hatte. Am Samstag wurde sie auf dem Klosterberg erstmalig von Brigitte Becker am Klavier begleitet.

Mit heimischen, vertrauten Klängen aus der Komponistenfeder Robert Schumanns begann der Abend. Bereits die ersten Takte des „Adagio und Allegro As-Dur op. 70 für Violoncello und Klavier“ verrieten, dass das Duo Netzold-Becker sich gesucht und gefunden hat, da nicht nur jede der beiden Künstlerinnen für sich ihr Instrument beherrscht und die Stücke stilsicher, aber auch sehr liebevoll zu interpretieren versteht, sondern die beiden ein langjähriges Team geworden sind, welchem es möglich wurde, von der Spielanweisung des Adagio „langsam, mit innigem Ausdruck“ nicht nur die erste Hälfte erfolgreich umzusetzen. Beim plötzlichen Allegro wurden erste Funken „rasch und feurig“ ganz im Sinn des Komponisten versprüht.

Wer Sergej Rachmaninoff vor allem als Komponisten virtuoser Klavierstücke mit slawischem Esprit kennt, lernte ihn beim getragenen Andante cantabile aus dem für mittel- wie für osteuropäische Ohren exotisch klingenden „Danse Orientale op. 2 Nr. 2 für Violoncello und Klavier“ von einer ganz anderen Seite kennen.

In der Sicilienne op. 78 von Gabriel Fauré wechselte sich Alexandra Netzolds gesanglicher Ton bei den langen gestrichenen Passagen mit kurzen Pizzicato-Einlagen ab, stets sehr einfühlsam und kontrastreich von Brigitte Becker begleitet, die die verschiedenen Klangfarben des historischen Bechstein-Flügels sehr erfolgreich herausstellen konnte.

Natürlich durfte im Block dieses Komponisten vor der Berceuse op. 16 auch das wohl berühmteste Beispiel französischer romantischer Liedkunst „Après un rêve“ in der ebenfalls sehr verbreiteten und hier sehr geschmackvoll interpretierten Transkription für Violoncello und Klavier nicht fehlen.

Und ganz in der Tradition des Karmel-Abends trat nun Aloisia Sauer vor das Publikum, erinnerte an ihre „sehr kleinen Füße, die in Ulis unendlich große Fußstapfen treten“ und begann, ihre Exzerpte aus Dr. Spiegelbergs geistigem Nachlass über das Hirschhorner Karmelitenkloster und den Kapitelsaal vorzutragen.

Sie verlas die Gepflogenheiten der Mönche, sich in diesem Saal zum Frühstück zu treffen. Hier begann der Prior alsbald den Satz, „Wenn einem irgendetwas sagenswert ist, sprich er es aus“, einer Aufforderung zur Buße und Beichte.

In diesem Hirschhorner Saal fanden nach Spiegelberg bzw. Sauer auch - genau wie in der Sixtinischen Kapelle in Rom - die Wahlen des Priors statt, Fußwaschungen u. v. m.

Zu den Fresken nannte Sauer noch die Forschungsergebnisse Spiegelbergs. Sie wurden 1713 entdeckt und wieder freigelegt, stammen aus dem Jahr 1509 und zeigen eine sechsteilige Bildergeschichte aus dem Leben des Propheten Elias (altes Testament, 1. Buch der Könige), dem Vorbild für den Orden der Karmeliten. Weitere Bilder bzw. was rechts von dem sechsten Bild ist, war oder sein sollte, ist nicht bekannt. Auffällig ist dabei, dass Elia stets in der Tracht der Karmeliter gezeigt wird, wie sie die Hirschhorner Patres auch heute tragen.

Als das Duo die Bühne wieder betrat, zeigte es mit der Vocalise op. 34 Nr. 14 einen wieder langsamen („lentamente“), aber nun russisch klingenden Rachmaninoff. Wunderschön imitierte Brigitte Becker auf dem weichen und charmant klingenden Bechstein-Flügel die zuvor vom Cello vorgegebenen Phrasen, welches schließlich sein Begleitinstrument kontrapunktierte.
Am Ende der Mélodie op. 3 Nr. 1 von Anton Rubinstein überraschte Alexandra Netzold das Publikum noch mit einer kurzen, und damit hohe Musikalität auf engstem Raum verdichtenden Schlusskadenz.

Bei zwei Interpretinnen durfte auch eine Trilogie einer weiblichen Komponistin nicht fehlen, die sogar im Nachnamen gewisse Übereinstimmung mit der Pianistin haben dürfte. So wurde der Abend mit Trois Pièces von Nadia Boulanger beschlossen. Bei aller Gesanglichkeit im Cello entstand im ersten Stück „Moderato“ durch die an ein Perpetuum mobile erinnernde Ostinato-Technik im Klavier ein Charakter, der sich von allen anderen vom Klavier begleiteten Cellosoli des Abends stark unterschied. Im zweiten Stück „Sans vitesse“ überzeugt das Duo vor allem durch seine präzise aufeinander abgestimmte Agogik (von der Musik verlangte Tempowechsel). Im motorischen Finalstück „Vite“ übertrafen die häufigen Wechsel zum Pizzicato und die bewusst komponierten Parallelbewegungen in der Stimmführung alle anderen - auch mitunter durchaus modernen - Stücke des Abends an Brüchen mit kompositorischen Traditionen, mehrfach kontrastiert durch getragene Mittelteile.

Als Zugabe widmete das Duo die „Träumerei“ aus dem Zyklus romantischer Charakterstücke für Klavier, „Kinderszenen“ von Robert Schumann ganz speziell Dr. Ulrich „Uli“ Spiegelberg.

Und nach diesem berührenden Stück bat - ganz im Sinn dieses Erfinders der Karmel-Abende - Karmelitenpater Linto das Publikum aufzustehen, sprach ein Dankgebet und spendete den Segen, und zum Schluss sollte Bruder Leib im Vorraum des Kapitelsaales auch nicht zu kurz kommen.


03.12.18

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